Energie einsparen in kirchlichen Immobilien

Besondere Herausforderungen für Kirchengemeinden

Wie kann in kirchlichen Immobilien Energie eingespart werden? Vor dieser Frage standen Kirchengemeinden nicht nur im Herbst 2022 angesichts der erhöhten Energiepreise. Sie treibt auch langfristig Haupt- und Ehrenamtliche um. Auch aufgrund von Klimaschutzaspekten gibt es in vielen Kirchengemeinden aktuell Überlegungen, wo und wie unnötige Energie eingespart oder zukunftsfähige Lösungen gefunden werden können.

Bei einer Online-Veranstaltung im Februar 2023 erhielten die Teilnehmenden konkrete Informationen zur praktischen, finanziellen und organisatorischen Umsetzung von Energieeinsparungen in kirchlichen Immobilien. Dabei ging es sowohl um kurzfristige Maßnahmen als auch langfristige Projekte. Ein besonderer lokaler Schwerpunkt lag auf Kirchengemeinden im Saarland – zahlreiche Hinweise konnten aber auch auf andere Kirchenkreise übertragen werden. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung in Kooperation der Evangelischen Akademie im Saarland, der Evangelischen Akademie im Rheinland, dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie des Saarlandes und den Kirchenkreisen Saar-Ost und Saar-West. Das nachfolgende fünfminütige Video zeigt Ausschnitte aus den Vorträgen.

Konkrete Handlungsempfehlungen
Viele praktische Hinweise gab es bereits im Eröffnungsvortrag von Christian Dahm von der Fachstelle “Energie & Kirche”, prisma consult GmbH, der an der Erstellung der Handreichung der Landeskirche zu Handlungsempfehlungen für ein „Verantwortungsbewusstes Temperieren von Kirchen im Winter 2022/2023 “ beteiligt war und detaillierte Hinweise zum richtigen Temperieren von Kirchengebäuden auch im Hinblick auf die Orgeln geben konnte. Christian Dahm empfahl ein Energiecontrolling einzuführen und einen Gebäudesteckbrief zu erstellen. Aber auch kurzfristig umsetzbare Punkte sprach er an: z.B. Kühlgeräte in Gemeindehäusern zu überprüfen, Lichtschalter zu beschriften und Heizungen nicht zu verhängen.

Einsatz erneuerbarer Energien
Technisch konkret waren auch die Hinweise von Ralph Schmidt, Geschäftsführer ARGE SOLAR e.V. und Synodalbeauftragter für Umweltfragen. Er führte in neue Heizungstechnologien ein und zeigte die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Anlagen zur Gewinnung von Solarenergie in Kirchengemeinden auf. Zudem rief Schmidt zu einem ganzheitlichen Ansatz von Maßnahmen auf, zu dem auch die Wärmedämmung, das Nutzerverhalten, sparsame Büro- und Haushaltsgeräte und Förderprogramme sowie rechtlichen Vorgaben gehören. „Allein durch den Einsatz erneuerbarer Energien werden wir die Energieeinsparziele, die CO2-Minderungsziele, auch nicht erreichen können. Das heißt, es muss ein Zusammenspiel verschiedenster Maßnahmen sein, die idealer Weise dann, wenn vielleicht ohnehin ein Sanierungs- oder Investitionsbedarf besteht, auch angegangen werden.“, so Ralph Schmidt. Vor dem Einsatz erneuerbarer Energien seien Überlegungen zur Energieeinsparung essentiell.

Fördermöglichkeiten und Unterstützung
Informiert wurde auch über Fördermöglichkeiten, wie die Bundesförderung für effiziente Gebäude und das Zukunftsenergieprogramm („ZEP“) Kommunal im Saarland. Zudem wurde auf die Landeskampagne „Energieberatung Saar “ hingewiesen. Unterstützungen von Seiten der Kirchenkreise und der Bauberatung der Evangelischen Kirche im Rheinland stellten Kasimir Jost und Oliver Conzelmann vor. Kasimir Jost stärkte den Ansatz der Gebäudestrukturanalyse und verwies auf die Möglichkeit, Gebäude gemeinsam mit der Kommune, Vereinen und anderen sozialen Trägern zu nutzen, wie es im Handlungsleitfaden „Stärkung der Dorfgemeinschaft – ein Leitfaden für die zukünftige Erhaltung, Umnutzung und Integration von kirchlichen Gebäuden in die Dorfgemeinschaft “ vorgestellt wird. Oliver Conzelmann betonte, dass Klimaschutz Teamarbeit sei: „Diese Teamarbeit setzt sich nicht nur in Fachleuten fort, sondern das Team besteht in der Regel aus dem Presbyterium. Und das Presbyterium muss mitgenommen werden bei diesen Klimaschutzmaßnahmen.“ Dabei sei auch die weitere Gemeinde mit in den Blick zu nehmen und einzubeziehen, besonders wenn Gebäude anders genutzt werden als bisher.

Erfahrungen und gute Beispiele
Mut zur Umsetzung von Ideen und Projekten machten Berichte über abgeschlossene Vorhaben, die Waldemar Schutzki, Klimaschutzmanager der Evangelischen Kirche im Rheinland, vorstellte. Dabei wurde die energetische Sanierung des Verwaltungsamtes des Kirchenkreisverbandes An der Saar, die Geothermie-Heizung der Friedenskirche in Meckenheim und eine Infrarotsitzbankheizung in der Johanniskirche in Bonn Duisdorf präsentiert. Einen Einblick gab Waldemar Schutzki auch in ein aktuell laufendes Projekt: die Installation von Orbi-Heatern in der Christuskirche in Andernach.