Klimarobustes Wassermanagement in ländlichen Räumen

Rückblick auf die Regionaltagung vom 06. bis 07.11.2024

Auf welche Weise können wir in ländlichen Regionen mit der Ressource Wasser umgehen, damit diese auch unter den veränderten Bedingungen aufgrund des Klimawandels in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung steht, zu ökologisch wertvollen Lebensräumen beiträgt und zugleich Menschen und ihre Siedlungen nicht gefährdet? Diese Frage stand über der zweitägigen Online-Tagung, die gemeinsam vom Zentrum für ländliche Entwicklung NRW (ZeLE), der Evangelischen Akademie im Rheinland und dem Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen ausgerichtet wurde. Unter dem Titel „Klimarobustes Wassermanagement in ländlichen Räumen: Herausforderungen und Perspektiven des Umgangs mit einer knappen Ressource“ waren bis zu 100 Personen aus Verwaltung, Wissenschaft, Naturschutz und Landwirtschaft, LEADER-Regionen und den Kirchen sowie weitere interessierte Büger:innen im digitalen Raum versammelt um sich über die mit dem Tagungsthema verbundenen Herausforderungen und Chancen in ihren Tätigkeitsbereichen auszutauschen und Informationen und Anregungen aus Fachvorträgen, Podiumsdiskussionen und Praxisbeispielen zu erhalten. Moderiert wurden die Veranstaltungstage von Johann Waas, Dr. Dagmar Grob, Dr. Michael Schaloske, Prof. Dr. Stefan Siedentop und Dr. Eva-Maria Gummelt. Interaktive digitale Beteiligungsmöglichkeiten luden die Teilnehmenden zudem zu Rückfragen und Diskussionsbeiträgen sowie zum Austausch und zur Vernetzung untereinander ein.

Tag 1: Herausforderungen und Perspektiven im Wassermanagement
Der erste Tagungstag stand unter dem Blick auf Herausforderungen und Perspektiven im Wassermanagement. Bereits der Eröffnungsvortrag von Dr. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung verdeutlichte einerseits das im internationalen Vergleich noch relativ hohe Wasseraufkommen in Deutschland, zugleich aber auch die zunehmende Konfrontation mit Extremwetterereignissen. Die von Marx angesprochene Relevanz vorsorgender Maßnahmen wurde in einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Dr. Jörn Krämer (Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband e.V.), Monika Raschke (BUND NRW, Arbeitskreis Wasser), Dr. Peter Queitsch (Städte- und Gemeindebund NRW) und Jan-Hinrich Brötje (Landesbetrieb Wald und Holz NRW) aufgegriffen. Hier zeigte sich, wie weit die Sensibilisierung für den Wasserrückhalt und für Renaturierungsmaßnahmen im kommunalen und behördlichen Raum bereits fortgeschritten ist und dass zahlreiche Akteure die Bedeutung der Wasserspeicherung und Grauwassernutzung betonen. Dass die regionale Anpassung nationaler Strategien die Zusammenarbeit über Verwaltungs- und Ressortgrenzen hinweg erfordert, wurde bei einer weiteren Podiumsdiskussion am Nachmittag deutlich, an der Dr. Peter Queitsch, Peter Klein (Ruhrverband) und Maria Berglund (Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW) beteiligt waren.

Der Tagungstag endete mit dem Blick auf zwei Praxisbeispiele aus dem Bereich der Renaturierung. Simone Eckermann vom Regionalforstamt Münsterland und Kerstin Wittjen vom Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V. stellten die Wiedervernässung des Venner Moors vor und zeigten, wie sich auch in kurzer Zeit die Artenvielfalt fördern und Wasserspeicherung in der Region verbessern lässt. Dana Niestroj von der Bezirksregierung Arnsberg berichtete, wie der natürliche Flusslauf der Lippe wiederhergestellt wurde, um Hochwasservorsorge zu betreiben und das ökologische Gleichgewicht zu fördern.

Tag 2: Strategische Ansätze und Kooperation als Erfolgsfaktor
Der zweite Tag wurde durch eine Keynote von Dr. Martin Zimmermann vom Institut für sozial-ökologische Forschung eröffnet, die die Relevanz der Zusammenarbeit zwischen städtischen und ländlichen Gemeinden als wesentlichen Beitrag zur Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaveränderungen betonte. Im Anschluss präsentierte Ewa Hermann von der Gemeinde Kalletal das Projekt „Transformation zum Schwammdorf“, das durch innovative Speicher- und Wasserrückhaltesysteme die Wasserversorgung bei Dürre stabilisiert. Carsten Bohn vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband stellte zudem vor, wie durch Maßnahmen im Wasserschutzgebiet Borken der Grundwasserschutz in der Region verbessert wurde.

Am Nachmittag nahmen die Teilnehmer:innen an einem virtuellen Worldcafé teil, das den Austausch und die Entwicklung gemeinsamer regionaler Wasserkonzepte ermöglichte. Die zentrale Einsicht aus den thematischen Workshop-Gruppen war, dass Kommunikation und Kooperation die entscheidenden Erfolgsfaktoren zur Umsetzung eines klimarobusten Wassermanagements darstellen. Den Abschluss der Tagung bildete ein Vortrag von Claude Piel, Publizistin und Mitglied des Diplomatic Council (UN Org.), bei dem die globale Dimension in den Blick genommen wurde und die Referentin zu einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit aufrief.

Wichtige Einsichten und Ausblick
Als Kernerkenntnis der Tagung wurde von den Referent:innen und den Teilnehmenden hervorgehoben, wie dringend erforderlich eine eng abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Verwaltungseinheiten über Fachgrenzen und auch über staatliche Grenzen hinweg auf dem Weg zu einem klimarobusten Wassermanagement in ländlichen Regionen sei. Während die Akteur:innen in Behörden und Kommunen bereits für das Thema sensibilisiert sind und Maßnahmen wie Wasserrückhalt in der Landschaft, Grauwassernutzung und Renaturierungsprojekte unterstützen, sollten bürokratische Entscheidungsprozesse beschleunigt und sektorübergreifende Kooperationen verstärkt werden. Anhand der präsentierten Beispiele aus der Praxis und aus den eigenen Erfahrungsbereich der Teilnehmenden wurde deutlich, dass ein erfolgreiches Wassermanagement nur in einer Kombination aus technischen Innovationen und sozialer Akzeptanz gelingen kann. Da entsprechende Maßnahmen häufig auf Widerstände in der Bevölkerung stoßen, sind hier das Einbeziehen aller Akteure und eine hohe Kommunikationskompetenz entscheidend. Aufgrund der vermehrten Sommerdürreperioden und verstärkten Niederschläge im Winter, wurde die Prävention durch ein robustes Wassermanagement und vorausschauende Maßnahmen herausgestellt. Die Übertragung erfolgreicher Modellprojekte auf andere Regionen und der Ausbau blau-grün-grauer Infrastruktur bleiben zentrale Aufgaben für die Zukunft.

Text: Johann Waas, Institut für Kirche und Gesellschaft, und Dr. Eva-Maria Gummelt, Evangelische Akademie im Rheinland