Welche Initiativen und Projekte zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels und zum Klimaschutz gibt es in der Region der Stadt Moers und ihrer Umgebung? Welchen Beitrag können Kommunen und Energieversorger, die Landwirtschaft und der Naturschutz, aber auch lokale Akteure vor Ort, wie Kirchengemeinden, leisten?

Exemplarische Antworten auf diese Fragen erhielten die Teilnehmenden während einer mehrtägigen Veranstaltung im Juni 2024. Dabei waren sie gemeinsam auf klimafreundliche Weise mit dem Fahrrad am Niederrhein unterwegs und lernten vor Ort Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel kennen.

Schutz ökologischer Systeme
Bereits im eröffnenden Vortrag verwies Dr. Martin Horstmann, Referent bei der Arbeitsstelle Anthropozän im Ökumenischen Prozess „Umkehr zum Leben“, darauf, dass intakte Ökosysteme eine Schlüsselstellung für alle weiteren vom Klimawandel betroffenen Systeme einnehmen. Welche Relevanz der Wald als natürlicher Lebensraum für eine Vielzahl von Lebewesen hat, wurde bei einer Waldführung deutlich. Der zertifizierte Waldführer Thomas Springer plädierte dabei für natürlich ablaufende Veränderungsprozesse. Positive Beispiele insektenfreundlicher Maßnahmen sahen die Teilnehmenden an verschiedenen Stationen, wie zum Beispiel bei einem in der Evangelischen Kirchengemeinde Moers-Asberg angelegten Sandarium. Während einer Etappe auf dem Rad wurde sogar ein Bienenschwarm gesichtet.

Flächennutzung und Bepflanzung
Welche Bedeutung unversiegelte Flächen für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels haben, verdeutlichte Fabian Ludwig von den Wirtschaftsbetrieben Duisburg. Hier wurde in Hinblick auf erwartbare Starkregenereignisse eine Regenagentur ins Leben gerufen und wird bei Neubauprojekten zunehmend Wert auf Grünflächen zur Versickerung von Regenwasser gelegt. Diesen Ansatz sahen die Teilnehmenden bei einer Besichtigung des aktuell im Bau befindlichen Stadtteils „6-Seen-Wedau“. Als weiteres Element einer Schwammstadt wurde die Bepflanzung von Flachdächern benannt, die sich in Rheinberg zeigte. Dort berichtete ein Bürger von der Genese seines begrünten Garagendaches. Auch andere Facetten von Bepflanzungen als Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel wurden diskutiert und veranschaulicht. So präsentierte der Energieversorger ENNI an seinem Hauptstandort in Moers eine Form der Fassadenbegrünung. Einen möglichen Beitrag eines landwirtschaftlichen Betriebes erläuterte Hanna Bonsels vom Benedenshof in Neukirchen-Vluyn. Die dort angelegte Plantage mit Paulowina-Bäumen leistet einen Beitrag zur CO2-Speicherung und liefert Holz für die industrielle Verarbeitung.


Menschen und ihre Lebensgrundlagen
Die Regenagentur Duisburg verwies auch auf mögliche Schäden an Gebäuden, die aufgrund von Starkregenereignissen eintreten können. Daneben wurden aber auch weitere Auswirkungen des Klimawandels auf den Alltag der Menschen am Niederrhein deutlich. So benannte Ariane Stedtfeld von der Deutschen Seemannsmission Duisburg die Folgen für die Binnenschifffahrt, die durch einen niedrigen Wasserstand im Rhein hervorgerufen werden, und vermittelte einen Einblick in den Arbeitsalltag der Menschen in diesem Wirtschaftssektor. Dass Förderungen im Bereich der Klimaanpassung und des Klimaschutzes primär Menschen mit einem begrenzten finanziellen Budget erreichen müssten, betonte Nicole Weber Ferreira dos Santos, Klimaschutzmanagerin der Stadt Rheinberg. Finanzielle Aspekte wurden besonders beim Thema Solaranlagen thematisiert, die in verschiedenen Ausmaßen vor Ort sichtbar wurden: von privaten Balkonkraftwerken in Rheinberg über Solarplatten auf dem Dach der Kirche und des Kindergartens der Evangelischen Kirchengemeinde Moers-Asberg bis hin zu einem Solarpark des Stromversorgungsunternehmens ENNI Moers.
Welche Auswirkungen die Beschäftigung mit dem Thema „Klimaanpassung“ für den eigenen Alltag hat, resümierten die Teilnehmenden zum Abschluss der Seminarwoche. Zuversichtlich stimmte sie besonders, mit welcher spürbaren Begeisterung sich die einzelnen Referent:innen für die jeweiligen Anpassungsmaßnahmen in der Region einsetzen.
Informationen zur Veranstaltung
Die fünftägige Veranstaltung wurde von einer breiten Kooperation kirchlicher Bildungsträger angeboten und vom Neuen Evangelischen Forum als Zweigstelle des Evangelischen Erwachsenenbildungswerkes Nordrhein als Bildungsurlaub nach den Richtlinien des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Geleitet wurde die Veranstaltung von Karin Menzel, Geschäftsführerin des Neuen Evangelischen Forum des Kirchenkreises Moers, und Dr. Eva-Maria Gummelt, Studienleiterin an der Evangelischen Akademie im Rheinland. Weitere Kooperationspartner waren das Evangelische Laboratorium und das Katholische Bildungsforum Mittendrin.

